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Überfällig? Schwangerschaftsanzeichen richtig deuten

Die monatliche Periode hätte längst kommen sollen? Klar, man denkt sofort an Schwangerschaft und möchte so schnell wie möglich, am besten noch vor dem fälligen Besuch bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt, einen Schwangerschaftstest machen, um Gewissheit zu haben. Zwar können herkömmliche Tests aus der Drogerie oder Apotheke schon einige Tage nach dem Ausbleiben der Regel gemacht werden, aber auch der Körper selbst ist in dieser Zeit ein guter Wegweiser. Mit der fachlichen Unterstützung von Frauenarzt Dr. Rüdiger Gaase aus Worms haben wir die häufigsten Anzeichen und Symptome zusammengefasst, die auf eine Schwangerschaft hindeuten. 

Ja? Nein? Vielleicht?
Die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft

In den ersten Schwangerschaftswochen – kurz SSW – tauchen besonders die unsicheren Schwangerschaftsanzeichen auf. Im Umkehrschluss bedeutet ihr Auftreten aber nicht zwangsweise eine Schwangerschaft:

Nach der Befruchtung: Schmerzen und Blutung

Ein bis zwei Wochen nach der Befruchtung der Eizelle kann es im Unterleib schmerzvoll ziehen, ähnlich wie es bei Regelschmerzen der Fall ist. Ursache dafür ist die befruchtete Eizelle, die es sich nach fünf bis sechs Tagen in der Gebärmutter gemütlich macht. Das hat zur Folge, dass diese sich ausdehnt, und das wiederum äußert sich in einigen Fällen als unangenehmes bis schmerzvolles Ziehen. Gegen Ende dieses Einnistungs-Vorganges kann es außerdem zur sogenannten Einnistungsblutung kommen, die manchmal mit der normalen Regelblutung verwechselt wird. Unterscheiden kann man die beiden daran, dass die Einnistungsblutung – eine Art Schmierblutung – schwächer ausfällt, kürzer andauert und sich mit einem sehr hellen bis leicht bräunlichen Rot deutlich von einer Regelblutung unterscheidet.

Ab der 4. SSW: Spannungsgefühle in der Brust

Ungefähr ab der vierten Schwangerschaftswoche beginnt die Brust durch den ersten Milcheinschuss und den erhöhten Östrogenspiegel zu wachsen. Auftretende Spannungsgefühle gehören somit zu den unsicheren Anzeichen einer Schwangerschaft im frühen Stadium. Auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft wird die Brust größer.

Ab der 6. SSW: Übelkeit

Das bekannteste Schwangerschaftsanzeichen tritt etwa ab der 6. SSW auf, selten auch schon früher. Die Rede ist von Übelkeit bzw. Morgenübelkeit, die manchmal sogar zu Erbrechen führt. Leider beschränkt sie sich in einigen Fällen nicht nur auf morgens, sondern kann bei manchen Frauen sogar den gesamten Tag über anhalten. Nach einigen Wochen – in der Regel bis zur 12. Woche – verfliegt die Übelkeit. Bis dahin hilft der Verzicht auf Kaffee und starke Aromen. Leichte Kost und Ingwertee können ebenfalls einen wohltuenden Effekt haben. Halten Übelkeit und Erbrechen aber an, sollte das mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden – hier können geeignete Arzneimittel helfen. 

Ab der 12. SSW: Stimmungsschwankungen, Pionierblase und Schlafstörungen

Während die Eierstöcke die Progesteronproduktion bis zum Ende des ersten Trimesters einstellen, beginnt die Plazenta in der 12. SSW damit, das Schwangerschaftshormon Progesteron zu produzieren. Die Gebärmutter macht sich bereit für den neuen Bewohner. Progesteron verändert den Salz- und Wasserhaushalt, was zu einer Senkung des Blutdrucks und daraus resultierenden Kreislaufproblemen mit Schwindel führen kann, manchmal schon sehr früh in der Schwangerschaft. Auch ständiger Harndrang und Schlafstörungen – meist in den späten Schwangerschaftsmonaten – sind die Folge des veränderten Salz- und Wasserhaushaltes.

Neben Progesteron steigt darüber hinaus auch der Spiegel von Östrogen und Prolaktin an: eine Botschaft an das Immunsystem, das Baby nicht als Fremdkörper einzustufen und abzustoßen. Dieser Hormonsturm und die vielen Umstellungen verlangen dem Körper einer werdenden Mama schon jetzt viel ab und bringen so einiges durcheinander. Stimmungsschwankungen, Hautunreinheiten, Müdigkeit, Heißhunger und die Abneigung bestimmter Speisen können die Folge sein.

 

Alle Zeichen auf Schwangerschaft: die sicheren Symptome

Neben den unsicheren Anzeichen gibt es auch sichere Symptome, die für eine Schwangerschaft sprechen. Dazu gehört vor allem eine erhöhte Basaltemperatur. Das heißt die Körpertemperatur nach dem Aufstehen ist über einen längeren Zeitraum um ca. ein halbes Grad erhöht. Die Schwangerschaft lässt im Körper der Frau außerdem die Produktion des Farbstoffs Melanin in den Hautzellen ansteigen. Das kann zu dunklen Brustwarzen, Pigmentflecken und der Linea Nigra führen, der dunklen vom Bauchnabel zum Schambein führenden Linie, sowie Pigmentverschiebungen, die bei vielen Schwangeren insbesondere im späteren Verlauf der Schwangerschaft zu beobachten sind. Bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus ist die ausbleibende Regel zumeist ein Indiz für eine Schwangerschaft.

 

Kein Zweifel mehr: Untersuchung und Test

Auch wenn viele der beschriebenen Schwangerschaftssymptome – besonders in Kombination – auf eine Schwangerschaft hindeuten, kann vor allem die Untersuchung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt eine eindeutige Auskunft geben. Im Rahmen einer Untersuchung können schon einige Tage vor dem Ausbleiben der Regelblutung typische Veränderungen der Gebärmutter und des Gebärmuttermundes festgestellt werden. Eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung und eine Hormonbestimmung aus dem Blut lassen keinen Zweifel mehr und geben Auskunft über den  Entwicklungsverlauf der Schwangerschaft.

Ein Selbsttest kann eine Woche nach Ausbleiben der Periode gemacht werden. Moderne Frühtests funktionieren sogar schon 6 Tage vor dem Ausbleiben. Am sichersten ist das Ergebnis übrigens, wenn der Test morgens nach dem Aufstehen durchgeführt wird, da dann die Hormonkonzentration am höchsten ist. 

 

Die Reise beginnt: die erste Vorsorgeuntersuchung

Schwanger! Ihr Körper hat es Ihnen schon ganz früh verraten und nun haben Sie es blau auf weiß? Herzlichen Glückwunsch! Vor Ihnen liegt eine aufregende und spannende Zeit. Bei der ersten Untersuchung werden die Schwangerschaft und die Schwangerschaftswoche offiziell festgestellt, der Geburtstermin wird errechnet und der Mutterpass ausgestellt.

Kaum zu Hause haben sie schon wieder vergessen, was die ganzen Fachbegriffe und Abkürzungen in Ihrem Mutterpass eigentlich bedeuten? Kein Problem! Hier finden Sie eine verständliche Übersicht inklusive aller Untersuchungen, Tests und den wichtigsten Erläuterungen dazu.

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