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Sport auf Speed

Ein Interview mit dem Meister der Reflexe @seidelmarvin

Es ist nach Fußball die zweitbeliebteste Sportart weltweit und mit Ballgeschwindigkeiten von ca. 290 km/h die schnellste Schlägersportart überhaupt. Der Weltrekord wird von einem malaysischen Profisportler gehalten und liegt bei 493 km/h unmittelbar nach dem Treffpunkt des Balles. Dabei wiegt der Ball selbst lediglich fünf Gramm. Die Rede ist von Badminton.

Marvin Emil Seidel ist einer der deutschen Badminton-Stars im Doppel und Mixed. Der 23-jährige Saarländer gewann dieses Jahr in der Mixed-Team-EM den zweiten Platz. Mit uns spricht er über seinen Sport, über Fitness und Ernährung.

Wann hast du mit Badminton angefangen und wie bist du auf diese Sportart gekommen?

Mit Badminton habe ich mit 5 Jahren angefangen. Wie die meisten Kinder habe ich Federball auf der Straße gespielt und das hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht. In den Verein bin ich dann aber eher zufällig gelangt.

Kannst du uns als Laien den Unterschied zwischen Federball und Badminton erklären?

Beim Federball versucht man, so oft es geht, den Ball hin und her zu spielen, während man beim Badminton den Ball möglichst so spielt, dass der Gegner ihn nicht mehr zurückspielen kann.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein guter Badminton-Spieler haben muss?

Man kann mit vielen, ganz unterschiedlichen Qualitäten ein guter Badminton-Spieler werden. Für mich sind die Wichtigsten allerdings Technik, Schnelligkeit und taktische Cleverness.

Du spielst vorwiegend im Doppel und im Mixed. Warum? Bist du ein besonders guter Teamplayer?

Ich habe mich schon sehr früh für die Doppeldisziplinen entschieden, da ich das Gefühl hatte, dass dort der taktische Aspekt eine noch größere Rolle spielt als in den Einzeldisziplinen. Dass ich ein guter Teamplayer bin, mag zwar auch stimmen, war bei dieser Entscheidung aber eher Nebensache.

Du bist 1,90 Meter groß. Ist deine Körpergröße ein entscheidender Vorteil im Wettkampf?

Ich ziehe oft guten Nutzen aus meiner Größe. Das ist aber keineswegs ein entscheidender Vorteil. Einige der besten Spieler der Welt sind keine 1,70 m und ziehen gerade im schnellen, flachen Spiel ihre Vorteile daraus. Ich denke, es kommt darauf an, aus seinen körperlichen Gegebenheiten einfach das Beste zu machen.

Badminton ist eine sehr schnelle Sportart. Gibt es Tricks, mit denen du deine Reflexe schulst?

Spezielle Tricks, um meine Reflexe zu schulen, habe ich nicht. Ich denke, das kommt einfach mit der Zeit und viel Training. Wovon ich aber viel halte, ist „Life Kinetik“ (Gehirntraining mit Bewegung). Das schult ein bisschen die Reflexe aber vor allem auch die Koordination.

Machst du neben Badminton noch andere Sportarten, um dich fit zu halten?

Um mich fit zu halten, mache ich keine anderen Sportarten. Dafür ist das täglich mehrfache Training meines Erachtens nach auch zu anstrengend und auslastend genug. Ich mache aber einige Freizeitaktivitäten, um vor allem den Geist zu entspannen und ein bisschen von der Halle wegzukommen. Meine Lieblingsbeschäftigungen dafür sind Golfen und Angeln.

Wie wichtig ist Kraftsport für Badmintonspieler? Ist es Bestandteil deines Trainings? Was sind die zentralen Muskelgruppen, die es hier für einen Badmintonspieler zu trainieren gilt?

Krafttraining ist ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Trainings, vor allem im Hinblick auf Verletzungsprophylaxe. Hierbei ist es vor allem wichtig, die Gegenspieler zu den meist beanspruchten Muskeln beim Badminton (Quadrizeps (Beinstrecker), Rückenstrecker, (Schulterinnenrotatoren) zu trainieren. Folglich also Beinbeuger, Bauchmuskulatur und Schulteraußenrotatoren.

Stabilisations-Übungen zum Nachmachen

Wie sieht ein typischer Trainingsplan zur Vorbereitung auf ein Turnier/einen Wettkampf für dich aus?

Zu Beginn einer längeren Trainingsperiode starten wir üblicherweise mit relativ anstrengendem Training, mit längeren Intervallen bei Übungen auf dem Feld. Auch im Kraftraum ist die Wiederholungszahl erhöht (ca. 15-20 Wiederholungen pro Übung), sodass eine gute Grundlage gelegt wird. Je näher der Wettkampf rückt, umso kürzer werden die Intervalle, desto intensiver ist aber auch die Ausführung. Auch im Kraftraum sinkt die Wiederholungszahl, das Gewicht steigt aber deutlich.
In den letzten 1-2 Wochen vor dem Wettkampf werden auf dem Feld dann nicht mehr allzu viele Übungen gemacht, sondern es geht viel um Matchpraxis. Im Kraftraum wird dann viel Wert auf Explosivität gelegt. Das heißt, etwas reduziertes Gewicht, dafür aber maximal schnelle Ausführung.

Hältst du dich als Spitzensportler an eine bestimmte Ernährung? Was sind deine Lieblingsgerichte?

Ich achte auf jeden Fall auf meine Ernährung und arbeite auch mit einer Ernährungsberaterin zusammen. Da wir aber viel auf Reisen sind, ist es selten möglich, das Ganze so umzusetzen, wie man es gerne machen würde. Meine Lieblingsgerichte sind aber leider nicht so gesund, schmecken dafür aber besonders gut. Zum einen wäre das Entenbrust aus dem Römertopf von meiner Mutter und zum anderen typisch saarländische gefüllte Klöße von der Mutter meiner Freundin.

Wenns mal schnell gehen muss - für eine gesunde Ernährungen "To Go"

Gibt es typische Sportverletzungen beim Badminton? Was tust du dagegen, wenn es passiert ist?

Leider gibt es die, ja. Eine der häufigsten Verletzungen ist das „Fuß-Umknicken“ (Bänderverletzung). Viele haben aber auch mit Schulter- und Knieproblemen zu kämpfen, andere wiederum mit Rücken- oder Hüftbeschwerden.
Ich denke, das Wichtigste, um solche Verletzungen zu vermeiden, ist eine gute Trainingssteuerung, richtiges und gezieltes Krafttraining und zu guter Letzt natürlich viel Beweglichkeitstraining. Wenn es dann doch passiert, ist die richtige Erstversorgung essentiell. Die ist von Verletzung zu Verletzung natürlich unterschiedlich. Ab dann gilt es zum einen, dem Körper genug Zeit zum Regenerieren zu geben, und zum anderen, durch gezielte Physiotherapie und andere Reha-Maßnahmen den Körper wieder in Schuss zu bringen.

Kann man von Badminton auch einen Tennisarm bekommen?

Leider ja …

Hast du ein sportliches Ziel, das du unbedingt noch erreichen möchtest?

Kurzfristig ist es die Qualifikation für Olympia, weiter gedacht aber auf jeden Fall eine Medaille bei Olympia!

Und zum Schluss – Dehnen nicht vergessen

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