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Mit eisernem Willen zum Ziel

Vom Schwimmer zum Iron Man: Interview mit Jens Roth

Er ist mal 32 Kilometer am Stück geschwommen, hat mit 31 nach 12 Jahren seine Bestzeit übertroffen und besitzt mittlerweile einen Ruhepuls von 36. Anstatt abzuheben ist Jens Roth, mehrfacher Meister im Triathlon und Sportler des Jahres 2018 der Stadt Trier, am Boden geblieben und zieht Kuchen jedem gesunden Salat vor. Im Interview verrät uns der sympathische Wahl-Trierer unter anderem, wie sein Training und seine persönliche Wettkampf-Vorbereitung aussieht und gibt Tipps, wie man mit Triathlon beginnt.

Hallo Jens, du hast ja „erst“ 2010 den Triathlon für dich entdeckt. Mit welcher Sportart hast du damals angefangen und was hat dich dazu bewogen, Triathlet zu werden?

Ja in der Tat, ich bin erst seit 2010 unter den Triathleten, zuvor hat sich mein Leben quasi nur um Schwimmen gedreht. Irgendwann war mir das stupide Bahnen ziehen einfach zu langweilig und da ich mich damals auch beruflich neu orientiert habe, brauchte ich eine Sportart, die ich direkt von meiner Haustür aus ausüben konnte. Da ist mir dann natürlich Radfahren und Laufen in den Sinn gekommen. Das Triathlon-Fieber hat mich 2010 gepackt, da ich einfach mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, diese drei Grundsportarten zu vereinen.

Welche der drei Disziplinen fällt dir dabei am schwersten und was ist deine Paradedisziplin?

Durch meine mittlerweile mehr als 25-jährige Erfahrung im Schwimmen ist das ganz klar meine Paradedisziplin. Obwohl ich mich in den letzten Jahren wahnsinnig gesteigert habe, würde ich Laufen noch immer als meine Achillesferse sehen.

Auf die Plätze, fertig, Sieg!

An wie vielen Wettkämpfen nimmst du denn im Jahr teil und wie sieht deine Vorbereitung aus?

In einer Saison versuche ich an etwa 12 bis 15 Wettkämpfen teilzunehmen, meine Saison ist aber periodisiert. Das bedeutet, dass ich schon bei der Planung dieser Wettkämpfe ganz klar weiß, welcher oder welche beiden Wettkämpfe meine wichtigsten in diesem Jahr werden. Meine Vorbereitung für eine Saison ist deswegen natürlich ebenfalls periodisiert. In jedem Jahr versuche ich, in den kälteren Wintermonaten Deutschland zu entfliehen, um ein paar wichtige Grundlagenkilometer auf den Kanaren zu sammeln. Die Wochen, in denen ich zuhause bin, gestalten sich vom Ablauf größtenteils gleich, unterscheiden sich jedoch von den jeweiligen Trainingsinhalten. So kann es sein, dass ich z. B. in einer Woche mal auf 80 Laufkilometer komme, die mich jetzt nicht so sehr belasten. In der darauffolgenden Woche können es dann auch nur 45 Laufkilometer sein, die dann zum größten Teil aber sehr belastend sind. Das kommt immer auf den jeweiligen Zeitpunkt in der Saison an und wie weit ich mich noch von meinem Hauptwettkampf entfernt befinde.

Und wie sieht dein Tagesablauf bzw. dein Trainingsplan unmittelbar vor einem Wettkampf aus?

Der Tag und das Training einen Tag vor dem Wettkampf gestalte ich nahezu immer gleich. Ich versuche mich nicht verrückt zu machen und mich auf meine Stärken zu konzentrieren. Denn ich weiß ja, was ich zuvor trainiert habe. Mein Essen ist grundlegend immer gleich und ich vertraue – auch wenn es mein Ernährungscoach nicht gerne hört – immer auf meine Pizza Tonno vor dem Rennen. Zudem trainiere ich nochmal kurz und sehr hart, um meinen Körper auf das vorzubereiten, was kommt. In der Regel immer 45 Minuten, davon zehn Minuten Rad und sechs bis acht Minuten intensives Laufen.

Gibt es für dich ansonsten feste Rituale vor einem Wettkampf oder vor dem Start?

Ich gehe den Wettkampf jedes Mal vor dem Wettkampf virtuell in meinem Kopf durch und versuche mich somit immer auf mein Rennen zu konzentrieren. Eine Stunde vor dem Rennen beginne ich dann mit meiner Warm-up Routine.

Also ist Erfolg nicht nur von der physischen, sondern auch psychischen Verfassung abhängig. Welche Rolle spielt mentale Stärke aus deiner Sicht für das Durchhalten während eines Wettkampfes? Wie überwindest du den „Ich kann nicht mehr“ -Punkt oder kennst du diesen schon gar nicht mehr?

Mentale Stärke ist etwas, auf das man ab einem gewissen Level nicht mehr verzichten kann. Im Leistungssport sind alle, mit denen ich mich im Wettkampf messe und vergleiche, sprich meine Gegner, auf dem Niveau das Rennen gewinnen zu können. Die letzten Prozent, also ob ich jetzt 93 Prozent oder 94 Prozent geben kann, entscheiden sich nur im Kopf. Das ist wie früher in der Schule: „Mach deine Hausaufgaben und du bist gut für die Prüfungen vorbereitet.“ Deshalb ist unser Training teilweise härter als der eigentliche Wettkampf.

Gibt es Tage, an denen du so gar keine Lust auf Sport hast? Und Hast du dich während eines Wettkampfs oder der Vorbereitung schon mal gefragt, warum du dir das antust?

Ganz klar gibt es auch bei mir Tage, an denen gar nichts zusammenläuft und an denen ich mich am liebsten einfach im Bett verkriechen würde. Die kommen irgendwann bei jedem. Bis vor ein paar Jahren war das für mich auch noch ein großes Problem, da ich mich dann selbst und mein Training, dem ich sonst mit absoluter Präzision nachgegangen bin, nicht mehr gemocht habe. Ich habe sofort jedes Detail in Frage gestellt. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass es nicht schlimm ist und man diese Tage auch braucht. Wichtig ist, dass ich mich von ihnen nicht bestimmen lasse. Auf eine Belastungsphase muss auch wieder eine Entlastungsphase folgen, sonst bewegt man sich irgendwann in einem Ungleichgewicht. In solchen Phasen genieße ich auch die anderen Dinge, die das Leben zu bieten hat und werde mir ganz klar bewusst, dass es nicht nur Sport ist, der mich glücklich macht.

Jens Warm-Up Routine für jedes Training

Hörst du eigentlich beim Training oder gar beim Wettkampf (falls erlaubt) gerne Musik zur Motivation? Wenn ja: welche?

Im Wettkampf ist das in meiner Sportart grundsätzlich verboten. Im Training höre ich öfters Musik. Ich bin kein Fan von einer speziellen Musikrichtung, deswegen höre ich gerne Radio. Wenn ich besonders gut drauf bin, laufen bei mir ansonsten die 90er hoch und runter. Und sollte ich mal einen durchwachsenen Tag haben, dann sowas wie die Red Hot Chilli Peppers oder Linkin Park.

Was waren deine bisher größten sportlichen Erfolge? Was möchtest du noch erreichen?

Für mich persönlich: Dass ich es nach meinem Horrorsturz mit anschließendem Wirbelbruch mit etwas Abstand geschafft habe, wieder zurückzukommen und besser zu sein als jemals zuvor. Zudem ist es unglaublich, dass ich mittlerweile fünfmal in Folge die Deutsche Meisterschaft im Cross-Triathlon für mich entscheiden konnte. Für einen Triathleten ist ansonsten natürlich der Ironman Hawaii das größte Ziel.

Wir drücken dir auf jeden Fall die Daumen dafür! Wie wichtig ist beim Triathlon eigentlich die richtige Ernährung und gibt es, je nach Vorbereitungsphase, Unterschiede in der Zusammensetzung und Auswahl der Gerichte?

Ich hoffe, hier wird mir jetzt nicht meine Antwort mit der Pizza Tonno in die Waagschale gelegt (lacht)! Die Ernährung ist nicht nur in der Vorbereitungsphase wichtig, sondern natürlich das gesamte Jahr. Ich habe jetzt keine speziellen Diäten oder Vorlieben. Es ist aber – wie ja denke ich jeder weiß – bewiesen, dass die Ernährung verdammt wichtig ist für das, was du so vorhast. Ich verlange von meinem Körper teilweise Leistungen, für die er eigentlich nicht gemacht ist. Deswegen muss ich ihn auch in diesem Bereich pflegen. Eine ausgewogene Ernährung ist das A und O. Ich habe gelernt meine Ernährung durch Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch aufzubauen. Jedes Reiskorn zählt und ist besser als Nudeln. Früher hat man das in meinem Sport anders gesehen, aber mittlerweile weiß ich auch, dass eine gesunde ausgewogene Ernährung meine Leistungs- und Regenerationsfähigkeit enorm beeinflusst.

Letzte Frage: Welche Tipps würdest du Hobbysportlern geben, die gerne mal einen Triathlon meistern würden? Mit welcher Sportart fängt man am besten an? Und was sollte man sich als Grundausrüstung zulegen?

Auf jeden Fall mit oder in einer Trainingsgruppe und am besten direkt auch mit einem Trainer starten. Es sollte auch nicht gleich der Ironman als Ziel gesetzt werden, sprich 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,195 km Laufen.
Vor allem sollte man dem Körper die Zeit geben, dass er hinterherkommt. Die Ausdauer und das Stehvermögen kommen mit zunehmendem Training relativ schnell, aber Muskulatur, Bänder, Sehnen und Gelenke brauchen einfach ihre Zeit. Wir haben nur einen Körper und mit ihm sollten wir gewissenhaft und kontrolliert umgehen. Laufen und Radfahren sind uns quasi von Beginn an wie in die Wiege gelegt. Da der Großteil des Triathlons sich in diesen beiden Sportarten abspielt, ist es auch sinnvoll damit zu starten. Um beim Schwimmen nicht zu viel falsch zu machen, bietet sich auch hier eine Gruppe oder ein Trainer für die ersten Schritte an. Es geht dann nicht nur einfacher, sondern man trainiert sich so auch keine Fehler an, die, wenn man sie erst mal drin hat, echt schwer wieder wegzubekommen sind. Schwimmen ist leider sehr viel Fleißarbeit und auch mit etwas mehr Aufwand verbunden als Laufen und Radfahren und da muss man permanent am Ball bleiben.
Für den Anfang tun es das normale Rennrad und die Laufschuhe, die man sowieso zuhause hat (bitte keine zwei oder drei Jahre alten, häufig benutzten). Eine Schwimmbrille und Badehose hat man auch sicherlich irgendwo zuhause. Sollte es einem soviel Spaß machen und man ist vom Virus Triathlon infiziert, dann weiß man relativ schnell, was es so Cooles gibt und was man unbedingt „braucht“.

Dicke Muckis – mit der Langhantel-Kniebeuge

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