gerngesund Magazin

Kleines Heft für ein gutes Bauchgefühl

Der Schwangerschaftstest war positiv, Sie sitzen bei Ihrem Frauenarzt und Ihr Herz macht einen Sprung, als Sie den kleinen schwarzen Punkt auf dem Bildschirm des Ultraschalls sehen. Ihr Frauenarzt kritzelt etwas in ein kleines Heft und dann halten Sie ihn in der Hand:  Ihren Mutterpass. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt offiziell schwanger! Aber was ist der Mutterpass überhaupt, wozu brauchen Sie ihn und warum ist er von Bedeutung? Hier die wichtigsten Fakten: 

Was ist der Mutterpass?

Schon seit 1961 gibt es in Deutschland den Mutterpass, der in der Regel ab der 8. Schwangerschaftswoche durch einen Arzt oder eine Hebamme ausgestellt wird. In regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen notieren Frauenarzt und Hebamme auf insgesamt 16 Seiten alle wichtigen medizinischen Details zum Verlauf der Schwangerschaft und der Entwicklung Ihres Babys: vom errechneten Entbindungstermin über die Lage und die Herztöne des Kindes bis hin zur abschließenden Untersuchung einige Wochen nach der Entbindung. 

Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland übernimmt übrigens die Kosten für alle in der Schwangerschaft notwendigen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen und Tests.

Kein Buch mit sieben Siegeln!

Kaum zu Hause haben sie schon wieder vergessen, was die ganzen Fachbegriffe und Abkürzungen eigentlich bedeuten? Kein Problem! Hier finden Sie eine verständliche Übersicht:

  1. Blutgruppe der Mutter und der Rhesusfaktor werden vermerkt.
  2. Der Antikörper-Suchtest klärt, ob im mütterlichen Blut Antikörper nachweisbar sind, die dem Kind schaden könnten. Der erste Test findet zu Beginn der Schwangerschaft statt.
  3. ​​Hier wird festgehalten, ob die Mutter eine Röteln-Impfung erhalten hat oder aufgrund einer zurückliegenden Erkrankung bereits Antikörper gegen Röteln besitzt und somit ausreichend gegen Röteln immunisiert ist.
  4. ​Mit einem Urintest wird eine mögliche Chlamydien-Infektion (Bakterien) nachgewiesen. Besteht eine Infektion, erfolgt eine antibiotische Behandlung, um Komplikationen zu vermeiden.
  5. Test auf Lues (Syphilis)
  6. Erneute Durchführung des Antikörper-Suchtests zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche (SSW)​
  7. Hat der erste Test eine mangelnde Immunität gegen Röteln ergeben, wird eine zweite Blutuntersuchung vorgenommen, um eine Infektion auszuschließen. ​
  8. Test auf Hepatitis B

Hier werden alle früheren Schwangerschaften, eventuelle Kaiserschnitte, Saugglocken- und Zangengeburten eingetragen. Auch Fehl- und Frühgeburten oder Abgänge und Eileiterschwangerschaften werden vermerkt. Geschlecht des Kindes, Größe und Gewicht werden ebenfalls notiert.

Ein Protokoll der ersten Vorsorgeuntersuchung, mit dem die Krankengeschichte der werdenden Mama erhoben wird (Anamnese). Erkrankungen wie z. B. Diabetes oder auch Allergien werden hier ebenso vermerkt wie frühere Schwangerschaften und soziale bzw. psychische Belastungen.

Auf dieser Seite werden neben dem Entbindungstermin besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf festgehalten. Das können aktuelle Erkrankungen, Tabakkonsum oder die Einnahme von Medikamenten sein, aber auch schwangerschaftsspezifische Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Mehrlingsschwangerschaft und vorzeitige Wehen.

  1. Schwangerschaftswoche
  2. Fundusstand, Symphysen-Fundus-Abstand (SFA): Höhenstand der Gebärmutter in der jeweiligen SS-Woche. Sie wandert im Verlauf der Schwangerschaft immer weiter nach oben. 
  3. Kindslage: SL steht für Schädellage, BEL für Beckenendlage, QL für Querlage
  4. Mit einem + oder einem – werden mögliche Wassereinlagerungen oder Krampfadern der Mutter notiert. (Ödeme und Varikosis)
  5. Hier wird das Ergebnis regelmäßiger Blutdruckmessungen eingetragen. (RR)
  6. Der Hämoglobinwert gibt Auskunft über die Sauerstofftransportfähigkeit der roten Blutkörperchen und sollte bestenfalls einen Wert unter 10,5 Gramm pro Deziliter (g/dl) nicht unterschreiten. (Hb (Eryl))
  7. Messwerte für Eiweiß, Zucker, Nitrit und Blut im Urin werden hier eingetragen. 
  8. Untersuchung durch die Scheide: „MM Ø“ bedeutet, dass der Muttermund noch geschlossen, „Zervix o. B.“, dass der Gebärmutterkanal „ohne Befund“, also erhalten, ist.
  9. Spalte für spezielle Befunde während der Schwangerschaft (Risiko-Nr. nach Katalog B)

Auf dieser Seite finden Sie Befunde beispielsweise zu einer eventuellen Fruchtwasseruntersuchung, Erkrankungen oder auch Klinikaufenthalten in der Schwangerschaft. 

Ein Kardiotokograf, auch CTG genannt, erfasst die Herztöne und eventuelle Wehen. Die Ergebnisse dieses Herzton-Wehen-Schreibers werden hier notiert. (Kardiotokografische Befunde)

Während der Schwangerschaft werden regulär drei Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, bei denen überprüft wird, ob das Kind sich gut entwickelt. Die Ergebnisse werden hier eingetragen. Auf den Seiten 12 und 14 werden Zusatzuntersuchungen bei kontrollbedürftigen Befunden festgehalten.

  1. Erste Ultraschalluntersuchung zwischen der 9. und 13. Schwangerschaftswoche
  2. Wunschgemäße Lage des Embryos (intrauteriner Sitz)
  3. Untersuchung durch einen weiteren Arzt erforderlich (Konsiliaruntersuchung veranlasst)
  4. Fruchtsack (FS)
  5. Länge von Scheitel bis Steiß (SSL)
  6. Kopfdurchmesser (BPD)
  7. Der Ultraschall im zweiten Schwangerschaftsdrittel untersucht die Größe von Kopf und Bauch des Kindes sowie die Länge des Oberschenkelknochens. Außerdem wird die Position der Plazenta in der Gebärmutter beurteilt, da diese für die Entbindung eine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus hat die werdende Mama die Möglichkeit, die Untersuchung zu erweitern. In diesem Fall werden zusätzlich folgende Fragen geklärt:
    • Sind Kopf und Hirnkammern normal geformt?
    • Ist das Kleinhirn sichtbar?
    • Sind Hals und Rücken normal entwickelt?
    • Wie ist das Größenverhältnis von Herz und Brustkorb?
    • Ist das Herz auf der linken Seite sichtbar?
    • Schlägt das Herz rhythmisch?
    • Sind die vier Kammern des Herzens ausgebildet?
    • Ist die vordere Bauchwand geschlossen?
    • Sind Magen und Harnblase zu sehen?
  8. Sitz und Struktur des Mutterkuchens​ (Plazentalok./-struktur)
  9. Kopfumfang (FOD/KU)
  10. Durchmesser von Babys Bauch​ (ATD)
  11. Bauchumfang (APD/AU)
  12. Länge der Oberarm- und Oberschenkelknochen (FL/HL)

Bei jeder Ultraschalluntersuchung werden Körperlänge, Kopf- und Bauchdurchmesser des Babys gemessen, um die Wachstumsentwicklung zu verfolgen. 

  • Länge von Scheitel bis Steiß (SSL)
  • Kopfdurchmesser (BPD)
  • ​Durchmesser von Babys Bauch​ (ATD)

Auf den letzten beiden Seiten im Mutterpass werden nochmal die wichtigsten Details zu Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett festgehalten.

  1. Stationärer Aufenthalt im Krankenhaus vor der Geburt (stat. Aufenthalt ante partum…)
  2. Geburtsmodus: SP steht für Spontangeburt, S für Kaiserschnitt und vag. Op für eine Zangen- oder Saugglockengeburt
  3. Kindslage: SL steht für Schädellage, BEL für Beckenendlage, QL für Querlage
  4. Punkteschema zur gesundheitlichen Beurteilung des Babys 1,5 und 10 Minuten nach der Entbindung, reicht von 1 bis 10 Punkten
  5. ​Überprüfung des Sauerstoffgehalts des Kindes aus der Nabelschnur bei der Geburt bzw. unmittelbar nach der Geburt (PH-Wert)
  6. Der Hämoglobinwert (Blutfarbstoff) gibt Auskunft über die Sauerstofftransportfähigkeit der roten Blutkörperchen. (Hb)
  7. Blutdruckmessung (RR)
  8. Test auf vorhandene Antikörper im Blut des Babys (Direkter Coombs-Test)

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